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Sep. 23, 2013 Redaktion Tierschutz, Wildtiere 0
„Die Gefahr der Jagd auf Schwarzwild darf keineswegs unterschätzt werden. Es ist ein wehrhaftes Wild, das sich seiner unbändigen Kraft und seiner gefährlichen Waffen wohl bewußt ist!“ So steht es in „Erfahrungen auf dem Gebiete der hohen Jagd“, wobei die Autoren bereits in den 1920iger Jahren davor warnten, die gefährlichen Kiefer eines Wildschweins zu beschönigen.
Die machen das Schwarzwild bis heute zu einem gefürchteten „Gegner“. Tatsächlich sind die Schwarzkittel das letzte wehrhafte Wildtier unserer Heimat, so dass die Tiere, wenn sie in Gärten oder aber auf Friedhöfe eindringen, stets für Alarm sorgen.
Zu Recht, denn vor allem die Eckzähne des Männchens können Längen von 30 Zentimetern erreichen und gleichen daher Dolchen, die schon so manch Jagdhund zu spüren bekam. Und auch ganz normale Haushunde, die achtlos im Unterholz umher stromerten und dabei einer Rotte zu nahe kamen, sind schon verletzt oder gar getötet worden.
Das liegt auch und gerade daran, dass Sus scrofa, als sehr anpassungsfähiger Allesfresser, immer näher an unsere Siedlungen und Waldparkplätze heran rückt. Ein Dilemma, an dem manch Gartenfreund (s)eine Mitschuld trägt. Denn gärende Gras- und Laubhaufen, in denen es vor Schnecken und Würmern nur so wimmelt, sind für die Schwarzkittel natürlich ein Schlaraffenland. Illegal am Waldrand entsorgte Mäh- und Gartenabfälle locken die Wildschweine daher immer wieder aus ihren Deckungen, so dass Zusammenstöße (und damit auch Konflikte) mit Hundehaltern, Joggern und anderen Spaziergängern nahezu programmiert sind!
Zu allem Überfluss gehen einige Experten davon aus, dass die Schwarzwildpopulationen, „dank“ des ausufernden Anbaus von „Energiemais“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Energiemais), in naher Zukunft explodieren werden. Wobei viele Naturschützer in diesen allein für Biogasanlagen angebauten Maisfeldern ohnehin ein Problem sehen.
Denn die verdrängen immer mehr Brachland und Feuchtwiesen. Tatsächlich ist es, aufgrund des Booms von Biogasanlangen, so, dass heute vielerorts der Futtermais knapp wird. Der wird dann aus Übersee importiert, was zum einen teuer ist. Zum anderen steht zu befürchten, dass hier, für die Maisfelder, dann Urwälder abgeholzt werden!
Boomende Biogas-Anlagen und Erneuerbare Energien haben also durchaus ihre Schattenseiten: „Deutschland braucht Getreide aus dem Ausland“, (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/biogas-boom-deutschland-braucht-getreide-aus-dem-ausland-a-808009.html) titelte daher der Spiegel und warnte davor, dass uns der zunehmende Maisanbau für Biogasanlagen vor eine neue und unbekannte Situation stellt.
Eine Situation, von der einige Arten, wie das Schwarzwild, augenscheinlich profitieren können. Leidtragende dürften dagegen viele Falter sein. Ebenso einheimische Fischarten, die von den Pflanzenschutzmitteln, die in den Feldern ausgebracht werden (die gelangen von dort auch in die Bäche und bis ins Trinkwasser!), vergrämt werden …
Doch lasst uns von hier, von den Problemen der Energiepolitik, noch einmal zum Wildschein zurückkehren. Das nämlich stellt die Stammform unserer Hausschweine dar. Ein Tier, das uns Menschen nun schon seit über 9000 Jahren begleitet und damit wesentlich „älter“ als das Hauspferd ist, das erst vor 3000 bis 4000 Jahren domestiziert wurde.
Leider sind, wie der zoologisch-botanische Garten Wilhelma in Stuttgart beklagt (http://www.wilhelma.de/de/tiere-und-pflanzen/tiere/schaubauernhof/schwaebisch-haellisches-schwein.html), viele Rassen heute vom Aussterben bedroht. Das gilt auch für das einst so begehrte Schwäbisch Hällische Schwein, das auf Anordnung von König Wilhelm I. in den Jahren 1820 und 1821 aus China importiert wurde.
Doch nach dem 2. Weltkrieg kam dann der Niedergang der Rasse, und Anfang der 1980er Jahre galt das Schwäbisch Hällische Schwein bereits als ausgestorben: „Glücklicher Weise hatten eine Hand voll Hohenloher Bauern an ihren liebevoll „Mohrenköpfle“ genannten Schweinen fest gehalten“, erklären die Wilhelma-Pfleger: „Mit Gründung einer eigenen Züchtervereinigung und der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall konnte diese wertvolle Rasse dann in letzter Sekunde gerettet werden!“
Ganz gleich ob im Wildpark oder in freier Natur, ein Wildschwein ist eine eindrucksvolle Erscheinung und eine Begegnung mit den Tieren niemals ohne Gefahr. Vor allem gilt es, unsere Hunde zurück zu halten, da die gegen einen der Schwarzkittel keine Chance haben!
Copyright by: Peter Hoffmann
Foto: Peter Hoffmann
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