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Juli 10, 2013 Redaktion Pferde 0
Natürlich blieben die Hauptdarsteller, die mächtigen Kaltblüter, auch im Blitzlichtgewitter der Fotografen völlig gelassen. Denn ein Pferd, das zur Holzernte eingesetzt wird, muss nun mal in allen Lebenslagen gelassen und cool sein. Ja, wer schwere Holzstämme aus dem Morast und über schmale Pfade schleift, der müsse auch seelisch sehr stabil sein: „Ein Warmblüter wäre jetzt schon auf und davon“, erklärten Vertreter des Saarforsts und der Interessengemeinschaft der Zugpferde vor einiger Zeit im Saarbrücker Stadtteil Burbach. Wobei die Veranstaltung mitnichten als reines Show-Event gedacht war. Denn tatsächlich war hier die Holzernte in vollem Gange und ging es darum, rund 1000 Festmeter Holz aus den teils steilen Waldhängen zu bergen!
Wobei sich Pferde, und das gleich aus mehreren Gründen, als ideal erweisen. Denn die sind nun mal „geländegängiger“ als die meisten Traktoren. Schlanker obendrein, und so können Rückepferde auch auf schmalen Trampelpfaden noch eingesetzt werden, wo Erntemaschinen schon aus Platzgründen längst außen vor sind …
Zudem sind die Belastungen für den Waldboden beim Einsatz von Pferden weitaus geringer. Denn Holzernte, das bedeutet immer einen „Spagat“. Schließlich soll unter dem Abtransport des Naturproduktes das Ökosystem möglichst wenig leiden und dürfen auch Spaziergänger und Tourismus (Stichwort: aufgewühlte, matschige Wege) nur so wenig wie möglich tangiert werden.
Natürlich wissen alle Reiter, dass der Begriff Kaltblut nicht das Geringste mit der Köpertemperatur des Pferdes zu tun hat. Denn die ist, bei Warm- und Kaltblütern, absolut identisch und liegt bei ca. 38 Grad. Mit dem Begriff Kaltblut sind vielmehr Rassen mit einem ruhigen Temperament gemeint, die seit jeher als Zug- und Arbeitspferde genutzt werden. Der Grund, warum diese Pferde meist stämmig und schwergewichtig daher kommen.
Oft sind diese Rassen, wie das Schleswiger Kaltblut, nach ihrer Herkunft oder der Region benannt, in der sie gezüchtet und genutzt wurden. Ein ganz typisches Rückepferd ist zum Beispiel das Schwarzwälder Kaltblut, das auch Schwarzwälder Fuchs genannt wird. Übrigens sind viele dieser alten Nutztierrassen heute vom Aussterben bedroht und wären ohne engagierte Züchter und Menschen, die den Tieren „Lohn und Brot“ geben, längst verschwunden.
Dennoch mag es zartbesaiteten Seelen natürlich übel aufstoßen, wenn Pferde, statt dass man sie hätschelt und liebhat, zum Arbeitseinsatz genutzt werden. Dabei jedoch kommt mir ein Jäger in den Sinn, der mal frank und frei zugab, dass er natürlich niemals vorhersagen kann, ob sein Jagdhund, den er in den Fuchsbau schickt, dort wieder lebend heraus kommt. Doch dafür könne das Tier, argumentierte der Waidmann, wie ein Hund leben, während sich manch Schoßhund auf dem Sofa zu Tode langweile und allmählich verblöde … ein Argument, das natürlich nicht von der Hand zu weisen ist. Denn wie vielen Haushunden fehlt es an Ansprache und Beschäftigung!? Und wie viele Pferde sehen, tagaus tagein, nur ihre Stallwände!
Überdies sehen die Halter in ihren Rückepferden weit mehr als ein reines Arbeitsgerät, sondern meist einen Partner. Zudem einen Botschafter für die naturnahe Waldwirtschaft. Insofern wird, in den allermeisten Fällen, gegen den Einsatz von Zug- und Waldpferden nicht das Geringste einzuwenden sein !
Copyright by Peter Hoffmann
Fotos: Peter Hoffmann
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