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Sep. 17, 2012 Redaktion Hunde 5
Osteochondrosis dissecans beim Hund: Entstehung, Symptome, Therapie.
Die Osteochondrosis dissecans (kurz: OCD) ist eine Erkrankung des wachsenden Skeletts, die man mit „Kochen-Knorpel-Teilung“ übersetzen könnte. Sie bezeichnet eine Knochennekrose (gr. „nekrosis“ = Absterben) unterhalb des Gelenkknorpels mit der Folge, dass einzelne Knochen- und Knorpelteile abgestoßen werden und als freie Gelenkkörper (sog. „Gelenkmäuse) im Gelenkspalt verbleiben können. Am häufigsten tritt die OCD bei schnell- und großwüchsigen Hunden mit einem Erwachsenengewicht von 25 Kg auf (z.B. Deutscher Schäferhund, Rottweiler, Labrador und Golden Retriever).
Die Ursachen der Osteochondrosis dissecans sind vielfältig, weshalb man auch von einer multifaktoriellen Erkrankung spricht. Neben einer genetischen Prädisposition, Traumata und Durchblutungsstörungen des Gelenkknorpels wird vor allem eine falsche Ernährungsweise mit zu hohen Anteilen an Kalzium, Phosphat und Vitamin D als Ursache diskutiert.
Das Erkrankungsalter liegt meist zwischen dem vierten und zwölften Lebensmonat. Am häufigsten betroffen sind der Kopf des Oberarmknochens (Caput humeri) der Gelenkteil des Oberarmknochens (die Trochlea humeri) und der äußere Gelenkteil des Oberschenkelknochens (Condylus lateralis ossis fermoris).
Der Entstehungsmechanismus der Krankheit ist darauf zurückzuführen, dass der Knorpel zwischen den Gelenkflächen in seinen äußeren Anteilen nicht direkt durchblutet wird, sondern nur langsam über Diffusion (bradytroph) aus dem umliegenden Gewebe ernährt wird.
Durch eine mangelnde Ernährung kommt es zu einem Absterben der am weitesten vom dazugehörigen Knochen gelegenen Knorpelzellen, welche in der Folge abgestoßen werden und als freie Gelenkkörper im Gelenksspalt verbleiben.
Der Abbau dieser freien „Bruchstücke“ führt zu einer Entzündungsreaktion, welche in einer äußerlich sichtbaren Schwellung resultiert und unbehandelt eine Arthrose, sprich eine degenerative Gelenkserkrankung, nach sich zieht.
Neben der Mangeldurchblutung spielt besonders ein Ungleichgewicht zwischen knorpelbildenden Zellen (Chondrozyten), knorpelabbauenden Zellen (Chrondroklasten) und den knochenbildenden Zellen (Osteoblasten) eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der OCD: Dadurch, dass der Knorpel an den Gelenksflächen der Knochen zu langsam abgebaut wird, nimmt er an manchen Stellen stark an Größe und Volumen zu (Hypertrophie) und „drückt“ gegen Teile des Knochens, welche dadurch fehlbelastet und bei andauernder Belastung absplittern können.
Dieses Ungleichgewicht zwischen knorpel- und knochenbildenden Zellen hat eine noch größere Bedeutung im Bereich der Wachstumsfugen des Knochens (zwischen der Gelenkfläche am Ende und dem Mittelschaft, der Diaphyse): Es kommt zu einem ungleichmäßig schnellen Wachstums des Knochens an beiden Enden, da die Verknöcherung der Knorpelzellen durch die Osteoblasten (die Knochenbildner) verlangsamt ist.
Daraus resultiert eine Fehlhaltung und eine Fehlbelastung der betroffenen Gelenke, welche eine Entwicklungsstörung dieser Gelenke nach sich ziehen kann.
Zudem besteht bei einzelnen, im Verhältnis zu schnell gewachsenen, Knochenvorsprüngen die Gefahr, dass diese „Abbrechen“,- ein Symptom, das häufig mit der Ellbogendysplasie assoziiert wird.
Die Symptome des Osteochondrosis dissecans treten bei jungen Hunden meist zwischen dem vierten und zwölften Monat ein: Sie beginnen mit einer zunächst moderaten Lahmheit des jungen Hundes, welche im Anfangsstadium häufig noch nicht bemerkt wird.
Aufgrund der Schmerzen kann der Hund die betroffene Gliedmaße nicht mehr abstellen und nimmt eine Schonhaltung ein: Dabei wird das Bein nach außen rotiert und zum Körper hin angezogen. Versucht man das Bein von extern zu bewegen, jammert das Tier.
Äußerlich erkennbar ist zumeist eine Schwellung, welche auf die Entzündungsreaktion zurückzuführen ist und darauf beruht, dass kompensatorisch vermehrt Gelenkschmiere gebildet wird.
Die Diagnose erfolgt beim Tierarzt zunächst durch eine ausführliche Lahmheitsuntersuchung. Anschließend empfiehlt sich eine Röntgenaufnahme, um eventuell abgelöste Knorpel- und Knochenstücke im Gelenkspalt erkennen zu können.
Die Therapie der OCD erfolgt in den meisten Fällen operativ: Hierbei wird eine Narkose eingeleitet und nach ausgiebiger Sterilisation der Haut und der umgebenden Areale das Gelenk eröffnet.
Anschließend werden die abgelösten Knorpel und Knochenstückchen wieder fixiert oder aus dem Gelenkspalt entfernt und anschließend die Wunde durch eine Naht wieder verschlossen.
In einigen Fällen kann eine konservative Therapie angeraten sein. Hierbei muss eine Strenge Diät eingehalten werden und es besteht absoluter Leinenzwang. Der Einsatz von Schmerzmitteln ist dabei umstritten, da ein „Ausschalten“ des Schmerzes dazu führen kann, dass der Hund das Gelenk fehlbelastet ohne es zu merken und die Symptomatik sich so über die Dauer verschlechtert. Regelmäßige Kontrollbesuche beim Tierarzt sind bei einer konservativen Herangehensweise unerlässlich.
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