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Sep. 03, 2014 Manuela Vogt Nagetiere 1
Kaninchen sind sehr soziale Tiere, die niemals alleine leben sollten. Auch ältere und scheinbar unverträgliche Tiere kann man noch vergesellschaften. Doch nur kleine Fehler beim Zusammenführen zweier Kaninchen können zum Scheitern der Vergesellschaftung führen.
Am einfachsten ist das Vergesellschaften von Kaninchen unterschiedlichen Geschlechts, wobei das Männchen kastriert sein sollte, um unerwünschten Nachwuchs zu vermeiden.
Wer also ein einsames Kaninchenweibchen hat, sollte sich ein kastriertes Männchen dazu holen.
Halter eines Kaninchenbocks lassen ihn zunächst von einem Tierarzt kastrieren und wählen am besten ein Mädchen zur Gesellschaft.
Auch die Rasse sollte berücksichtigt werden. Löwenkopfkaninchen sind beispielsweise oft lebhafter als Widderkaninchen. Die Widder neigen dafür eher zu Dominanzverhalten.
Werden die individuellen Eigenschaften eines Tieres berücksichtigt, lassen sich auch schwierige Kaninchen vergesellschaften. Ängstliche und schreckhafte Tiere profitieren von einem ruhigeren Partner. Kleine selbstbewusste Kaninchenmädchen, die bisher aggressiv auf Artgenossen reagierten, kommen oft mit souveränen Böcken, die deutlich größer sind als sie, am besten zurecht – das kann auch ein „Stallhase“ sein.
Für das Zusammenführen der Kaninchen wird ein „neutraler“ Raum benötigt. Dieser sollte den Tieren bisher nicht bekannt sein und – ganz wichtig – für mehrere Wochen als Kaninchengehege dienen können. Für zwei Kaninchen benötigt man mindestens 5qm Fläche, besser noch etwas mehr. Zu groß darf es aber auch nicht sein, denn auf 100qm laufen sich die Tiere nur mehr zufällig über den Weg.
Dieses neue Vergesellschaftungsgehege kann normal eingerichtet werden, solange Fallen vermieden werden. Häuser mit nur einem Eingang fliegen raus, stattdessen eignen sich umgedrehte Kartons, in die in zwei Seiten jeweils ein Ein-/Ausgang geschnitten wird.
Die zukünftigen Kaninchenfreunde sollten vorher keinen Sicht- oder Schnupperkontakt haben. Dadurch kann bereits Stress entstehen und sich Aggressionen anstauen, die das Zusammenführen erschweren.
Mit der Vorbereitung ist der größte Teil der Arbeit getan.
Kurz vor dem Zusammensetzen der Tiere werden großzügig Leckereien im Gehege verteilt. Zum Beispiel Grünfutter, das es nicht sowieso schon jeden Tag gibt und so etwas Besonderes ist.
Anschließend werden die Kaninchen zeitgleich in ihr neues Heim gesetzt. Meist wird zunächst die Umgebung inspiziert und etwas am Grünfutter genascht. Irgendwann nehmen sich die Tiere gegenseitig wahr.
Die erste Begegnung kann ganz unterschiedlich ablaufen. Mal geht es über ein ruhiges Beschnuppern kaum hinaus. In der Regel werden die Kaninchen aber auf dramatische Weise ihre Rangordnung klären. Da wird gejagt, berammelt und Fell ausgerissen. Hier heißt es für den Tierhalter Ruhe zu bewahren, denn das ist ganz normales Kaninchenverhalten.
Wer das nicht mitansehen kann, sollte lieber gehen. Es reicht, wenn man ab und zu nachschaut, ob jemand verletzt ist. Es fließt kein Blut? Dann ist alles in Ordnung. Solange es nicht zu Verletzungen kommt, sollte man nicht Eingreifen oder die Tiere gar trennen – auch nicht über Nacht.
Nun heißt es abwarten. Am nächsten Morgen sitzen einige schon eng nebeneinander. Häufiger wird aber das Gehege über Nacht auf den Kopf gestellt und es braucht Tage bis Wochen, bis sich die Lage beruhigt.
Geduld heißt das Zauberwort.
Dafür wird man bei dieser Vorgehensweise mit einer Erfolgsquote von 99% belohnt und kein Kaninchen muss in Zukunft mehr einsam sein.
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