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Nov. 29, 2013 Redaktion Exoten, Terraristik 5
Bereits die „Bunte Welt im Terrarium“, ein Klassiker von Wolfgang Bechtle aus den 1970er Jahren, beschreibt die Jungtiere des Grünen Leguans, die allerliebst sind. Doch die werden rasch größer, entwickeln sich zu „gewaltigen Recken“ (so der Originalton der „Kleinen Terrarienkunde“ von Johannes Jahn), die dann jede Menge Platz brauchen. Und, mitunter, auch aggressiv werden. Auf jeden Fall müsse jegliches Einfangen ganz ruhig und ohne jede Hast erfolgen, warnte schon Jahn davor, dass so ein Leguan beileibe nicht als typisches Schmusetier daher kommt. Denn die „scharfen Krallen zerreißen jedes Gewebe!“
Reichlich Platz braucht so ein Leguan obendrein. So plädieren die „Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien“, die 1997 von einer Expertengruppe für das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erstellt wurden, für eine riesiges Regenwaldterrarium samt geheiztem Wasserbecken und feuchtem Substrat; die Kletteräste müssten dann gut verankert und teilweise sogar dicker als der Körper des Tieres sein.
Alles andere als leichte (Haltungs)Voraussetzungen also, zumal auch die animalische Ernährung mit Heuschrecken, Heimchen und Würmern heute verpönt ist: „Die Ernährung für Leguane ist ausschließlich pflanzlich“, plädiert (http://tierarzt-dr-friedrich.de/Service/Tierhaltung/Reptilien/Leguane/body_leguane.html) die Kleintierpraxis Dr. med. vet. Rainer Friedrich für eine rein vegetarische Kost, die zum Beispiel reichlich Karotten, Klee, Luzerne und Löwenzahn enthält. Kopfsalat, Tomaten, Bananen und Äpfel sollten aufgrund des schlechten Mineralstoffverhältnisses dagegen tabu sein: „Auch süße, tropische Früchte haben einen zu hohen Zuckergehalt und sollten nur als seltener Leckerbissen angeboten werden!“
Nicht nur der Speiseplan der Grünen Leguane kann also heikel sein, so dass die Tiere häufig krank und kostenintensiv und damit zu einer Last werden. Womit sich bei manch gewissenlosem Halter offensichtlich der Wunsch „Raus damit!“ breit macht. Mitunter ohne jede Rücksicht auf die einst so geliebte Kreatur, was sich, mal wieder, anlässlich der dreisten Entsorgung eines verwahrlosten Leguans an der Kasse des Tierparks Hellabrunn gezeigt hat:
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„Ich bin ein Leguan und will in den Zoo, bitte helft mir“, stand auf einem Bananen-Karton, in dem Mitarbeiter das Tier am Flamingo-Eingang entdeckt haben. Trotz der immerhin einfallsreichen „Entsorgung“ via „Tierklappe Tierpark“ zeigen sich die Experten der Reptilienauffangstation in München (www.reptilienauffangstation.de) darüber gleichermaßen entsetzt wie auch entrüstet. Denn es kann und soll ja bestimmt nicht die Aufgabe der Zoos sein, Tiere, die von ihren Haltern nicht mehr gewollt sind, in Asyl zu nehmen: „Nach Feststellung des grausigen lebendigen Inhalts der Kiste wurden daher die Behörden informiert!“
[youtube_sc url=“http://youtu.be/D5UHJjB-mQo“]
Der Patient selbst landete dann, wie so viele seiner Leidensgenossen, in der Auffangstation in der Kaulbachstraße und wird nun durch das Team um Dr. Markus Baur, Leiter der Auffangstation und Fachtierarzt für Reptilien, betreut. So wurden die alten, jedoch nach wie vor erheblichen und stark entzündeten Verbrennungen sowie mehrere eitrige Hautveränderungen umgehend behandelt und das Tier mit den dringend notwendigen Schmerzmitteln versorgt: „So hatte der kleine Leguan irgendwie doch Glück im Unglück, auch wenn der Zoobesuch scheiterte“, freuen sich die Tierschützer und Reptilienfreunde darüber, dass nun wenigstens der lange Leidensweg und eine unsachgemäße Haltung ein Ende haben.
Strafanzeige gegen Unbekannt wurde freilich auch seitens der Auffangstation noch einmal gestellt!
Die Haltung von Reptilien im Allgemeinen wie auch des Grünen Leguans im Besonderen ist schwieriger, als viele Laien ahnen!
Copyright by: Peter Hoffmann
Foto: Peter Hoffmann
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