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Juni 24, 2013 Redaktion Allgemein, Exoten, Terraristik 0
Es sind nicht ausschließlich die Exoten, die die Tierfreunde faszinieren. Oftmals ist es so, dass auch einheimische Reptilien und Amphibien ganz hoch in Kurs sehen …
Leider nicht immer legal, wie zahlreiche Posts in den Foren zeigen. Denn noch immer gibt es jene, die glauben, dass Mutter Natur als „Selbstbedienungsladen“ daher kommt. Da werden Amphibien oder auch Schlangen fürs eigene Becken und mitunter gar für Seminararbeiten in der Schule eingefangen. Oder aber trächtige Ringelnatterweibchen ihrer Eier beraubt. Echte Terrarianer kann es angesichts solcher Machenschaften natürlich nur grausen. Schließlich weisen bereits allgemeine Online Lexika wie Wikipedia darauf hin (http://de.wikipedia.org/wiki/Anlage_1_zur_Bundesartenschutzverordnung#Streng_gesch.C3.BCtzte_Kriechtiere), dass Natrix natrix (wie die Ringelnatter wissenschaftlich heißt) durch die Bundesartenschutzverordnung streng geschützt ist.
Doch natürlich gibt es auch Züchter, die von legal gehaltenen Tieren Nachzuchten anbieten. Die haben, gegenüber den illegalen und verwerflichen Wildfängen, ohnehin diverse Vorteile, sind frei von Parasiten und meist auch futterfest, so dass die Ernährung (in der Regel hauptsächlich mit Fisch) kaum einmal ein Problem ist. Die Ringelnatter liebe das Wasser, benötige allerdings auch einen trockenen Platz zum Sonnen, schrieb Wolfgang Bechtle bereits Anfang der 70 er Jahre in (s)einem Bunte Kosmos Taschenführer „Bunte Welt im Terrarium“: „Man gibt ihr also ein Terrarium mit großem Wasserbecken und trockenen Kletterästen und Steinen.“
Tatsächlich wissen wir ja auch aus Naturbeobachtungen, dass Ringelnattern Feuchtwiesen in Wassernähe lieben. Und sich dennoch, zum Sonnen und Wärmetanken, auf den Sandbänken oder querliegenden Holzstämmen aalen. Und ist es nicht ohnehin am Schönsten, wenn wir die Schlange in freier Wildbahn oder gar dem heimischen Garten beobachten können?
Hier finden wir mitunter Ringelnattern, die sich auf dem Komposthaufen winden, erklärt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen (http://www.lanuv.nrw.de/veroeffentlichungen/ptdm/2011/ptdm08_Ringelnatter.htm). Der werde nämlich häufig von den Weibchen als Eiablagestelle auserkoren. Das geschieht meist im August: „10 bis 30 Junge schlüpfen dann später aus den Eiern“, und so erlebt, wie Reptilienexperte Arno Geiger, ausführt, manch Gartenfreund eine schlängelnde und züngelnde Überraschung: „In den Mittelgebirgslagen kommen die wasserliebenden Schlangen aber auch im Randbereich von Städten und in Dörfern vor – jedenfalls dann, wenn es dort noch Teiche mit Amphibien gibt.“
Die dienen nämlich wildlebenden Ringelnattern als Hauptnahrungsquelle. Die sind in der Regel eher scheu und fliehen bei der Annäherung von Menschen. Einige Exemplare würden freilich immer wieder „unangemeldet“ am Gartenteich oder zwischen Holzscheiten im Garten auftauchen, erklärt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz: „Fühlt sich die Ringelnatter dann angegriffen, bläht sie sich auf, faucht und setzt Scheinbisse, indem sie mit dem Kopf stößt!“
Zudem können Ringelnattern, wie es schon Bechtle beschreibt, ein übel riechendes Sekret absondern. Auch ist bekannt, dass sich die Ringelnatter, wie viele andere Schlangen, in höchster Not tot stellt (Letisimulation) und so ihre Feinde (Dachse und Greifvögel, aber auch Wanderratten und Hauskatzen) überlistet. Das kann sogar so weit gehen, dass aus dem nach dem vermeintlichen Todeskampf weit geöffneten Maul ein wenig Blut träufelt … ein Kniff, der in Spielfilmen und bei menschlichen Komparsen und Scheintoten einiges an Aufwand kostet. Man kann also durchaus sagen, dass es die Ringelnatter, schauspielerisch betrachtet, „drauf hat“!
Für uns Menschen sei die Ringelnatter übrigens völlig ungefährlich, bricht Arno Geiger eine sprichwörtliche Lanze für das Reptil mit den weiß-gelben „Halbmonden“ am Hinterkopf. An den Kopf schließe sich dann ein graubrauner, schwarz getupfter Körper an: „Die Männchen werden bis zu 80 Zentimeter, die Weibchen über einen Meter lang!“ Damit unterscheide sich die ungiftige Ringelnatter deutlich von der giftigen und seltenen Kreuzotter, „die an ihrem dreieckigen Kopf und ihrem kürzeren, stark gemusterten Körper gut zu erkennen ist.“
Dass es Natrix natrix in freier Wildbahn nicht überall gut geht, hängt vor allem mit der Zerstörung von Feuchtgebieten zusammen. Viele Sumpfwiesen wurden trocken gelegt und Flüsse und Bäche begradigt. Auch ging die Zahl der natürlichen Futtertiere stark zurück. Wobei sich „moderne“ Ringelnattern ihrem sich verändernden Lebensraum durchaus angepasst haben. Die würden, wie der NABU in einem Porträt der scheuen Frischjägerin beschriebt (http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/amphibienundreptilien/reptilien/04985.html), auch mal Fernwärmeleitungen zur Eiablage nutzen. Oder aber, in größerer Stückzahl, in unseren Komposthaufen überwintern. Wir sollten beim Umschichten also auf der Hut sein. Damit wir die Tiere nicht verletzten. Tatsächlich würden nämlich, wie die Welt beschreibt (http://www.welt.de/print-welt/article450774/Komposthaufen-fuer-das-Ueberleben-der-Aeskulapnatter.html), die Naturschützer in Sachen Schlangenschutz heute sogar gezielt Komposthaufen anlegen. Und das nicht allein für unsere Ringelnattern, sondern auch, um der Äskulapnatter, dem Wahrzeichen der Mediziner und Medizinberufe, zu helfen.
Die wird dann sogar rund 2 Meter lang und gilt als die größte Schlange Deutschlands!
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Bildquellenangabe: www.jenpix.de / pixelio.de
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