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Juli 23, 2013 Redaktion Tierschutz 0
Natürlich erbost es uns, wenn wir hören, dass Tiere schlecht behandelt oder gar gequält werden. Denn wer würde nicht einschreiten, wenn er Zeuge wird, wie Jugendliche eine Katze misshandeln oder ein Halter seinem Hund in den Popo tritt!?
Tatsächlich wird – hierzulande -, der Tierschutz allenthalben großgeschrieben. So ist es bei uns selbstverständlich, dass es selbst das Schlachtvieh noch halbwegs gut hat. Der Grund, weswegen auch Tiertransporte kontrolliert und gegebenenfalls von den Behörden gestoppt werden. Ebenso gibt es Tierschützer, die, wie unlängst auf VOX thematisiert, ausgemusterten Legehennen in ihrem Garten Quartier bieten … Doch Hand aufs Herz: Ist es so, dass auch im Urlaub der Tierschutzgedanke oberste Priorität hat?
Natürlich kann sich niemand von uns vorstellen, dass in Südostasien, nach einem Besuch der Pagoden, schmackhaftes Hundefilet auf den Tisch kommt. Manche indes werden einen Besuch in einem Delfinarium, einen Wüsten Tripp auf Kamelen oder aber das Elefantenreiten in Thailand durchaus in Betracht ziehen. Dinge, die die Aktion Tier in Berlin nicht ohne Skepsis sieht. Denn vor allem das Elefantenreiten sei aus Tierschutzsicht abzulehnen. Die sensiblen Dickhäuter würden dazu nämlich bereits im Babyalter von ihren Müttern getrennt und in speziellen Elefantencamps „trainiert“. Will meinen: „Ihr Wille wird mit brutaler Gewalt gebrochen, bis sich die Tiere ihrem Schicksal fügen und dem Menschen unterordnen!“
Selbst ein Ritt auf einem Esel oder, wie seinerzeit Karl May alias Kara Ben Nemsi auf dem Rücken eines „Wüstenschiffs“, kann ein ethisches Problem sein, glaubt Ursula Bauer und würde ihre Entscheidung auch und gerade vom gesundheitlichen Zustand und Erscheinungsbild des Tieres abhängig machen: „Kranke und abgemagerte Geschöpfe, die im lauten Straßengewirr herumgeführt werden, scheiden als Urlaubsvergnügen von Vorneherein aus“, plädiert die Tierschutzexpertin an das Gewissen aller Urlauber. Und falls die Tiere gar von ihren „Pflegern“ misshandelt würden, sollte man auch den Mut aufbringen und einen bereits begonnenen Ausflug – unter Protest -, sofort wieder abrechen.
Dass freilich auch wechselwarme Tiere in Sachen Tourismus eingespannt werden, erleben wir spätestens dann, wenn auf einem Basar ein Schlangenbeschwörer in Aktion tritt. Wobei manchem Urlauber, trotz der flirrenden Hitze, ein wohliges Gruseln den Rücken hinab streicht. Ein Schaudern und ein Zuschaustellen, das fast so alt wie die Menschheit selbst ist. Denn Rudolf König beklagte bereits in den frühen 1980 er Jahren (Schlangen: Über Bau und Leben faszinierender Tiere), dass Schlangen bereits im alten Rom von Schaustellern und im Zirkus vorgeführt wurden. Wie sich die Tiere dabei fühlen, ob es ihnen in ihren engen Körben und Transportboxen gut geht, war und ist den Schlangenbeschwörern vergangener Tage wie auch heutiger Zeiten ziemlich gleichgültig. Echten Reptilienfreunden und Terrarianern werden solche Bilder und Szenen indes ein Graus sein, und auch als unbeteiligte Zuschauer sollten wir uns überlegen, ob wir derartige Vorführungen auch noch mit einem Foto und einem Backschisch belohnen!?
Aber ein Reiturlaub kann doch wohl kein Problem sein, werden nun manche denken und sagen. Doch ganz so einfach ist das leider nicht, glaubt die Aktion Tier, da für manch Pony oder Reitpferd der ungeübte und vielleicht auch noch übergewichtige Tourist durchaus zur Qual wird. Tatsächlich gibt es hierzulande ja durchaus Gestüte und Reitlehrer, die allzu schwergewichtige Schüler (aus Rücksicht auf den Pferderücken) ablehnen …
Zudem sollte man, gerade im Urlaub, auf jeden Fall auch auf den Zustand der Tiere und die Qualität ihrer Unterbringung achten, rät Diplom-Biologin Ursula Bauer: „Abgemagerte Pferde und Ponys, die eingepfercht in einem kleinen Gehege in glühender Mittagshitze auf den nächsten Reiter warten, sind für Tierfreunde tabu!“
Was lernen wir daraus? Als Touristen können wir durchaus Fehler machen. Fehler, die mit den unterschiedlichen Moralvorstellungen zu tun haben und unseren Gastgebern – etwa dann, wenn wir allzu freizügig durch die Gassen trippeln -, vor den Kopf stoßen. Doch neben den Fallstricken einer teils sehr verschiedenen Kultur, lauert in jedem Urlaub auch ein Fauxpas, der dem Tierschutz zuwider läuft. Oftmals machen wir hier schwere Fehler, die uns dann später, zu Hause, leidtun.
Fehler, die uns, in unserer heiteren Urlaubsstimmung, zunächst womöglich gar nicht weiter auffallen, aber dennoch kein bisschen mit dem Tierschutzgedanken konform gehen. Die Aktion Tier empfiehlt daher, am besten erst gar keine Reise, die den Besuch von Delfinarien, Elefantenreiten oder sonstige Aktivitäten mit Tieren im Programm hat, zu buchen. Werde man mit derartigen „Attraktionen“ überrascht, sollte man auf jeden Fall genau hinschauen und in sich gehen, welche Aktivitäten, in die Tiere involviert sind, mit dem eigenen Gewissen (noch) vereinbar sind und was absolut tabu ist!
Ein solches Eseltrecking in Deutschland, wo die Tiere nur Begleiter und Kamerad zum Streicheln sind, kann natürlich bedenkenlos als Abwechslung und Kurzweil gebucht werden!
Copyright by Peter Hoffmann
Foto: Peter Hoffmann
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