Zuletzt aktualisiert September 25th, 2023 9:41 PM
Mai 27, 2013 Redaktion Exoten, Terraristik 0
Ganz ohne Frage. Vielen Reptilien, wie Taggeckos oder Agamen, können wir auch in Privathand ganz vorzügliche Lebensbedingungen anbieten. Jedenfalls dann, wenn für ein ausreichend großes Terrarium und die nötige Sachkenntnis gesorgt sind!
Doch es gibt eben auch jene, die für die Privathaltung kaum bis gar nicht in Betracht kommen. Wobei für viele Experten diese Grenze spätestens bei Giftschlangen erreicht ist. Doch auch Riesenschlangen haben immer wieder unter der Unvernunft ihrer Halter zu leiden. Vor allem dann, wenn die Tiere aus einer Art Imponiergehabe und als Statussymbol gekauft wurden. Eine Unart, die, laut Rudolf König (Schlangen: Über Bau und Leben faszinierender Tiere) offensichtlich schon recht alt ist. Denn bereits im alten Rom wurden, wie der Autor moniert, Tiere im Zirkus vorgeführt, und „in Amerika und Europa gehörten sie dann zum festen Inventar der Menagerien!“ Dabei berichtet der Autor auch von Tier- bzw. Schlangenkämpfen, bei denen schlangenfressende Königsnattern auf Klapperschlangen gehetzt wurden …
Und tatsächlich betrachten Reptilienexperten und Tierschützer die reisenden Schausteller bis heute mit Sorge. Nicht umsonst stellt (http://www.reptilienauffangstation.de/) auch die Reptilienauffangstation in München einen Brillenkaiman als Tier des Monats (März 2013) vor, der wider Willen zum Bonsai-Krokodil degradiert wurde. Dabei war der Halter, so die Reptilienkenner und das Veterinäramt, erst durch die Behörden zur Abgabe des Tieres gedrängt worden: Das war etwa 12 Jahre alt, kam jedoch nur auf eine Länge von gut einem Meter und 5 Kilogramm Körpergewicht. Viel zu wenig, befanden die Experten, denn „richtig gehaltene und unter artgemäßen Bedingungen gepflegte Kaimane weisen mit zwölf Jahren Körperlängen von bis zu 2,5 Meter und ein Gewicht von ca. 50 Kilogramm auf!“
Freilich nur, wenn die Bedingungen optimal sind: „Tropische Temperaturen, ausreichend dimensionierte Anlagen, eine artgerechte Ernährung und wenig Stress sind dafür die Voraussetzung“, erklärt das Team der Reptilienauffangstation um Dr. Markus Baur. Und auch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bestätigt: „Die meisten Krokodile sind für die Haltung durch Privatpersonen wenig geeignet, da sie sehr groß werden und ein Alter von 40 bis über 100 Jahre erreichen!“ Voraussetzung sei, wie hier (http://bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Tier/Tierhaltung/HaltungReptilien.html) eine Sachverständigengruppe klar stellt, ein Becken, das über einen großen Wasserteil wie auch einen entsprechend dimensionierten Landteil verfügt. Das alles scheint in dem genannten Fall wohl nicht gegeben gewesen zu sein.
Bei der Haltung gleich mehrerer Tiere muss zudem bedacht werden, dass diese, zumindest zeitweilig, gegen Artgenossen unverträglich bis aggressiv sind. Auch Absperrmöglichkeiten müssen daher, wie das Ministerium anmahnt, vorhanden sein. In Bayern gehören alle Krokodilartigen übrigens zu den sogenannten „gefährlichen Tiere“ und sind für Privathalter weitgehend tabu. Doch bei „gewerbsmäßigen Haltungen“, und damit auch Schaustellern, würden, wie die Auffangstation erklärt, eben andere Regelungen greifen. Hier, in der Kaulbachstraße, versucht man nun, das gleichermaßen abgestumpfte wie geschwächte Krokodil wieder aufzubauen. Mit einem passenden Gehege, einer abwechslungsreiche Kost sowie Verhaltensanreicherung und ganz viel Geduld.
Sicherlich handelt es sich bei dieser Bonsai-Echse um einen Extremfall, doch leider gibt es immer wieder Fälle, bei denen sich ganz bestimmte „Tierfreunde“ am „wohligen Kribbeln“, das der Anblick von Schlangen oder anderen gefährlichen Tieren hinter Glas auslöst, aufgeilen … was dann häufig auf alle Reptilienhalter (die von der allgemeinen Presse dann über den sprichwörtlichen einen Kamm geschoren werden) zurückfällt. Als verantwortungsbewusste Halter, die wir „brav“ unsere Bartagamen, Skinke oder auch Kornnattern pflegen und nur deren Bestes wollen, tun wir also gut daran, uns vor jeder Kraftmeierei (so der O-Ton Rudolf König) und dem Gedanken, Schlangen und andere Reptilien könnten als Show-Tiere oder zum Aufpolieren des eigenen Egos dienen, abzugrenzen!
Sep. 25, 2023 24
Dez. 01, 2022 1.750
Sep. 27, 2021 441
Sep. 27, 2021 724